Im norwegischen Svalbard, 1000 Kilometer vom Nordpol entfernt, wird mit viel politischer Prominenz die Einweihung eines Bunkers gefeiert. Es ist das angeblich sicherste Gebäude dieser Art auf der Welt. Gefeit gegen Naturkatastrophen, Klimaveränderungen und selbst Nuklearkriege sollen hier bald drei Millionen in Folie gewickelte Samenproben aus aller Welt lagern und das Weiterbestehen der Artenvielfalt gewährleisten.

Doch ist der Traum der globalen Nahrungsmittelsicherheit eine blosse Utopie?

Bis 2050 werden die Temperaturen voraussichtlich weltweit um mindestens 2 Grad steigen. Dies führt zu riesigen Einbussen bei der gesamten Nahrungsmittelproduktion - mancherorts bis zu 30 Prozent. Bis dahin wird sich der globale Nahrungsbedarf verdoppelt haben. Wie werden wir die Weltbevölkerung ernähren?

Im von Dürre geplagten Kenia lernen wir Zachary Muthamia kennen, den Direktor der nationalen Genbank. Er setzt die wenigen ihm zur Verfügung stehenden Mittel dazu ein, die Biodiversität seines Landes zu sichern und Kopien von Kenias einzigartigem pflanzlichen Erbgut für den Transport nach Norwegen vorzubereiten, bevor seine Energie fressenden Generatoren endgültig stehen bleiben. Und in Nairobi treffen wir auf Marianne Bänziger, die weltweit führende Mais-Expertin. Sie will sich dieselbe Biodiversität zu Nutze machen, um nicht-genmodifiziertes Saatgut zu entwicklen, das einen 20 bis 30 Prozent höheren Ernteertrag liefert als die heutigen Samen und der Dürre trotzen kann. Doch die Zeit wird knapp.



August 2010

Sonja Wenger - Die ganze Welt spricht von Biodiversität - und doch bleibt dies meist ein abstrakter Begriff. Der Dokumentarfilm «Seed Warriors» reicht hier Hand. Die Schweizer Journalistin und Produzentin MiIjam von Arx («Sieben Mulden und eine Leiche») und die Kanadierin Katharina von Flotow haben sich einem Thema angenommen, dessen Dringlichkeit ausser Frage steht. Sie zeigen, mit welchen Methoden und Mitteln Wissenschaftler heute versuchen. die Vielfalt von Saatgut zu erhalten und auf natürliche Weise weiterzuentwickeln.
Diese «Kämpfer für das Saatgut» sind mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. So droht der Nahrungsmittelproduktion der Zukunft nicht nur Gefahr durch den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut, durch den häufig traditionell entwickelte und den lokalen Besonderheiten angepasste Arten verloren gehen. Auch der Klimawandel bedroht die Nahrungsmittelsicherheit der Weltbevölkerung. Und bis zum Jahr 2050 werden die Temperaturen voraussichtlich um mindestens zwei Grad weiter steigen - mit weitreichenden und katastrophalen Folgen auch für die Landwirtschaft.
Besonders betroffen sind dabei schon heute jene Kleinbauern und Bäuerinnen, die nicht über ausreichende Ressourcen für künstliche Bewässerung oder Dünger verfügen. Bereits eine geringe dauerhafte Erwärmung bedeutet für sie oft den Verlust eines Grossteils ihrer Ernte, wenn ihre Pflanzen nicht an den ausbleibenden Regen und längere Trockenheit angepasst sind. «Seed Warriors» zeigt eindrücklich, dass der Klimawandel in den Ländern des Südens längst Realitat ist.
Inhaltlich beschränkt sich der Dokfilm auf drei teilweise verwobene Handlungsstränge. Zum einen nimmt das Publikum teil an der Einweihung eines Bunkers im norwegischen Svalbard. In einem vor Naturkatastrophen und gar Nuklearkriegen sicheren Gebäude sollen hier in Zukunft bis zu drei Millionen Samenproben aus der ganzen Welt gelagert werden. Zum anderen begleitet der Film Zachary Muthamia, den Direktor der kenianischen Genbank, und die Schweizer Maisexpertin Marianne Bänziger, die in Nairobi - erfolgreich - mit natürlichen Methoden dürreresistente Maissorten entwickelt, bei ihrer Arbeit.
Grundsätzlich stimmt «Seed Warriors» trotz seines ernsten Themas optimistisch. Dabei ist es den Macherinnen hoch anzurechnen, dass sie einen leicht verständlichen, informativen Film geschaffen haben, der gänzlich ohne Polemik und Panikmache auskommt.















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